Pycnogenol – der Extrakt der französischen Meereskiefer

Mittelmeerkiefer

Pinienrindenextrakt (z.B. der Marke Pycnogenol) ist ein gut erforschtes Naturheilmittel mit breitem Anwendungsspektrum. Es ist als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen (kein Arzneimittel), da Nebenwirkungen bei der Einnahme im Prinzip nicht beobachtet worden sind bzw. unbedeutend waren.

Über 300 Studien (davon mehr als 70 Humanstudien) weisen das breite Einsatzgebiet von Pinienrindenextrakt von Allergien und Arthrose über Diabetes und erektiler Dysfunktion bis hin zu menopausalen Beschwerden.1 Besonders bekannt ist es wegen seiner starken antioxidativen Eigenschaften. Untersuchungen zufolge haben die OPC aus Pinienrindenextrakt einen etwa 20 mal so starkes antioxidatives Potential wie Vitamin C und ein vierzig mal so hohes antioxidatives Potential wie Vitamin E.

Herkunft von Pinienrindenextrakt

Der Extrakt wird, wie der Name besagt, aus den Rinden der Pinie gewonnen. Zumeist wird die französische Seekiefer (lat. pinus paster) als Ausgangsmaterial verwendet. Mit Hilfe von Wasser und Alkohol werden die verschiedenen wirksamen Bestandteile, vor allem Polyphenole und Catechine, extrahiert und gereinigt.

Pinienrindenextrakt weist neben Katechinen einen sehr hohen Anteil an oligomeren Procyanidinen (OPC) auf. Der Anteil liegt meist bei 85% – 90%. Der französische Pharmakologe und Entdecker der OPC, Prof. Dr. Jacques Masquelier (1922 – 2009), berichtete schon 1948 von diese Gruppe von speziellen, antioxidativ hochwirksamen Flavonolen. Er machte 1979 den Vorschlag, diese Gruppe “Pycnogenole” zu nennen.2 Der Name setzt sich aus den Teilen “Pycno” griechisch für “dick”, “gen” für “Teile” und die Endung “ol” kommt von der Gruppenbezeichnung Flavanole. “Dick” deshalb, weil die flüssigen Flavanole eine natürliche Tendenz dazu aufweisen, sich schnell zu verdicken. In der Wissenschaft hat sich aber die Bezeichnung “Proanthocyanidine” bzw. “oligomere Proanthocyanidine”, kurz OPC, durchgesetzt. Zudem ist der Name “Pycnogenol®” mittlerweile als Markenprodukt geschützt.

Pycnogenol

Die Firma Horphag Research vertreibt Pinienrindenextrakt unter der Marke Pycnogenol. Pinienrindenextrakt der Marke “Pycnogenol” wird aus der frischen Rinde der französischen Seekiefer (botanisch: Pinus pinaster atlantica) gewonnen, aus der mit Wasser und Ethanol ein Extrakt hergestellt wird. Es ist ein standardisierter Pinienrindenextrakt. Prof. Dr. Jacques Masquellier hat bis 1991 für die Firma gearbeitet.

Viele der neueren Studien sind mit dem standardisierten Pinienrindenextrakt “Pycnogenol” durchgeführt worden.

Weitere Marken

Es gibt verschiedene weitere Hersteller von Pinienrindenextrakten. Zu den einzelnen weiteren Marken haben wir nur sehr wenige Studien gefunden.

Eine Untersuchung koreanischer Wissenschaftler über die Unterschiede von Pycnogenol und einem Kiefernrindenextrakt koreanischer Herkunft, der aus anderen botanischen Spezies gewonnen wird (Pinus densiflora und Pinus thunbergii), hat leichte Unterschiede in der Zusammensetzung der antioxidativ wirkenden Substanzen festgestellt. 3 Eine andere Studie hat Unterschiede in den einzelnen Bestandteilen und in der Löslichkeit der Extrakte von Pinus radiata und Pinus Pinaster gefunden.4

Asiatische Qualitäten von Pinienrindenextrakt enthalten mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht den Extrakt der französischen Seekiefer (Pinus pinaster). Ob es einen Unterschied zwischen den unter verschiedenen Markennamen vertriebenen Extrakten gibt, die ebenfalls als Basis die botanische Spezies Pinus pinaster nutzen, gibt, dazu haben wir keine Quellen gefunden.

Die meisten von uns gefundenen und unten zitierten Studien sind mit dem Extrakt von Pinus pinaster der Marke Pycnogenol® durchgeführt worden.

Anwendung und Dosierung

Für allgemeine antioxidative Zwecke sollten mindestens 20 mg Pinienrindenextrakt täglich eingenommen werden. Die übliche Dosierung beträgt ansonsten zwischen 30 mg täglich und 200 mg täglich. Die in den klinischen Studien überprüfte Anwendungsdauer beträgt zwei bis drei Monate. In der Praxis empfiehlt sich meist eine dauerhafte Einnahme.

Es gibt keine Hinweise aus der Wissenschaft, die gegen eine langrfristige Einnahme von Pinienrindenextrakt sprechen würden.

Obgleich die Wirkung von Pycnogenol® bzw. Pinienrindenextrakt in den meisten Studien für den einzelnen Stoff untersucht worden ist, sollte man Pinienrindenextrakt mit Vitaminen oder Aminosäuren kombinieren.

Bei Studien zu kombinierten Präparaten “Pinienrindenextrakt + L-Arginin” oder “Pininrindenextrakt + Coenzym Q10” wurde regelmäßig festgestellt, dass sich die Wirkung des Vitamins oder der Aminosäure und die von Pycnogenol gegenseitig ergänzen und verstärken.

Arthrose

Bei drei größeren klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Einnahme von Pinienrindenextrakt (Marke Pycnogenol) die Symptome von Knie-Arthrose verbessern kann. Bereits nach sechs bis acht Wochen der Einnahme des Extraktes konnten Verbesserungen bis zu 50% beobachtet werden:

1) In einer Studie von Faird et al. gingen nach drei Monaten die Schmerzen um 43% zurück, die Steifigkeit der Gelenke verbesserte sich um 35% und die Beweglichkeit verbesserte sich um 49%.

2) In einer Studie von Belcaro et al. wurde ein ähnlicher Rückgang der Schmerzen berichtet, auch die Einnahme von Schmerzmitteln verringerte sich um 58% durch die Einnahme von Pininrindenextrakt.

3) Auch die Studie von Saur et al. brachte sehr ähnliche Erfolge.

Die Einnahmeempfehlung bei Arthrose und Arthritis beträgt , aus diesen Studien mit dem Markenextrakt “Pycnogenol®” abgeleitet, 100 mg bis 150 mg Pinienrindenextrakt täglich. Am besten kombiniert man dies mit anderen Maßnahmen (z.B. der Einnahme von Glucosamin, Chondroitin, Omega-3-Fettsäuren, MSM und Spurenelementen wie Selen und Mangan). Nebenwirkungen sind in den Studien nicht beobachtet worden. Das Vermeiden tierischer Fette und regelmäßige Bewegung sind weitere wichtige Maßnahmen für gesunde Gelenke.

Asthma und allergische Rhinitis (Heuschnupfen)

In drei Studien mit Pycnogenol wurde festgestellt, dass Pinienrindenextrakt sich verbessernd auf die Symptome von Asthma und allergischer Rhinitis auswirken kann.

1) Lau et al. (2004) haben die Wirkung bei Kindern zwischen 6 und 18 Jahren untersucht. Nach drei Monaten der Einnahme von 1 mg je Kg Körpergewicht (entsprechend 80 mg täglich bei Erwachsenen) hatte sich das maximale Atemvolumen von 70% auf 87% verbessert. Auch weitere Asthmasymptome verbesserten sich signifikant, blieben bei der Placebo-Kontrollgruppe aber gleich.

2) In einer zweiten Studie an Erwachsenen wurden ähnliche Verbesserungen der Atemwege festgestellt. Die Studie wurde allerdings nur über 4 Wochen durchgeführt und erreichte von ihren Ergebnissen her noch keine statistische Signifikanz. Mediziner sind sich einig, dass der Anwendungszeitraum zu kurz gewählt wurde.

3) Allergiker können mit Pinienrindenextrakt ihre allergischen Reaktionen und Symptome signifikant lindern, so eine Studie, die im kanadischen Ontario durchgeführt wurde. Durch die regelmäßige Einnahme von Pinienrindenextrakt, beginnend bereits vor der Birkenblüte, konnte sich der Bedarf an Medikamenten (Antihistaminika) um drei Viertel gegenüber den Patienten, die ein Placebo eingenommen hatten, verringern. Die im Blut nachgewiesenen Antikörperreaktionen waren um ein Drittel geringer.

Erektile Dysfunktion (Erektionsstörungen)

Erektionsstörungen sind bei Männern ab etwa dem 40ten Lebensjahr relativ weit verbreitet. Die häufigste Ursache sind Störungen in der Durchblutung und der Flexibilität der Gefäße. Insbesondere das Endothelgewebe, die Arterieninnenwand, kann nicht mehr genügend Stickoxid (NO) bilden und so die Arterie weiten, den Blutfluss verbessern und auch den Blutdruck regulieren.

Hier setzen sowohl die klassischen Arzneimittel (PDE-5 Hemmer) an als auch L-Arginin und auch die Kombination von L-Arginin mit Pinienrindenextrakt. L-Arginin, eine Aminosäure, stellt den einzigen Ausgangspunkt für das wichtige gefäßsteuernde Molekül NO dar. Stellt man dem Körper mehr L-Arginin zur Verfügung, so kann er leichter NO bilden und so die Gefäße weiten, insbesondere auch im männlichen Geschlechtsteil. Pinienrindenextrakt kann den Effekt von L-Arginin deutlich verbessern, wie mehrere Studien anhand des gezeigt haben:

1) In 2003 bereits haben Stanislavov et al. in einer klinischen Untersuchung Männern zwischen 25 und 45 Jahren mit Erektionsstörungen Pinienrindenextrakt und Arginin kombiniert gegeben und die Wirkung mit der Wirkung von Arginin allein verglichen.Die Einnahme von lediglich 1.700 mg L-Arginin war wirkungslos, die Einnahme von L-Arginin mit 80 mg bzw. 120 mg Pinienrindenextrakt brachte bei über 80% der Männer eine Besserung der Erektionsfähigkeit.

2) 2008 wurde, mit einem verbesserten Studiendesign, nochmals 50 Männer im durchschnittlichen Alter von knapp 40 Jahren untersucht. Im Ergebnis konnte bei über 90% der Männer eine Verbesserung der Erektionsfähigkeit festgestellt werden. Zudem erhöhte sich der Testosteronspiegel signifikant.

Weitere kleinere Studien sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.Die Kombination von Pinienrindenextrakt (Pycnogenol) und Arginin scheint damit eine gute nicht-pharmakologische Methode, die Hauptursache von Potenzstörungen (schlecht funktionierende Gefäße) zu bekämpfen. Insbesondere auch, weil Nebenwirkungen in den Studien nicht aufgetreten sind.

Bluthochdruck

Die Behandlung von Bluthochdruck kann durch die Einnahme von Pinienrindenextrakt unterstützt werden. In einer Studie (doppelblind und placebokontrolliert) an Patienten mit mäßigem Bluthochdruck wurde festgestellt, dass der systolische Blutdruck durch die Einnahme von Pinienrindenextrakt signifikant gesenkt werden kann. Auch der diastolische Blutdruck senkte sich bei den Anwendern.

Die Einnahme Ihres blutdrucksenkenden Medikamentes (nifedipine) konnten die Teilnehmer, die den Pinienrindenextrakt einnahmen, bei gleichem Blutdruck innerhalb von 12 Wochen um mehr als 25% senken. Bei den Teilnehmern, die ein Placebo eingenommen hatten, zeigten sich diese Wirkungen nicht.

Thrombosen

In einer Studie an 198 Passagieren von Langstreckenflügen wurde der Effekt von Pinienrindenextrakt auf die Gefahr einer Thrombose untersucht. Die Studienteilnehmer haben zwei bis drei Stunden vor Abflug entweder 200 mg Pinienrindenextrakt oder ein Placebo eingenommen. Die durch Ultraschalluntersuchungen festgestellte Thrombosegefahr konnte durch die Einnahme von Pinienrindenextrakt signifikant verringert werden.

Eine Thombose entwickelte sich bei den Teilnehmern, die ein Placebo erhalten hatten. Bei den Teilnehmern, die Pinienrindenextrakt eingenommen hatten, entwickelte sich keine akute Thrombose.

Veneninsuffizienz

Fünf Studien haben sich mit Veneninsuffizienz beschäftigt. Bei allen Studien haben die Teilnehmer von einer Verbesserung ihrer Symptome der Veneninsuffizienz berichtet. Objektiv konnte bei drei der Studien eine Verbesserung der Beinschwellungen festgestellt werden.

Weitere Studien mit größerer Anzahl an Teilnehmern sind in Vorbereitung.

Nebenwirkungen von Pinienrindenextrakten

Pinienrindenextrakte und im weiteren Sinne die OPC werden allgemein als sehr gut untersucht betrachtet. Allein zur Marke Pycnogenol sind in mehr als 70 verschiedenen Humanstudien über 5.000 gesunde und kranke Menschen untersucht worden. Das Auftreten von Nebenwirkungen war sehr gering (2,4% der Teilnehmer bzw. nur 0,19% der gesunden Teilnehmer) und die Nebenwirkungen waren meist harmlos wie etwa leichte Verdauungsbeschwerden.

Es gibt unseren Recherchen nach keine Gegenanzeigen von Pinienrindenextrakt. Von unerwünschten Effekten bei Patienten, die andere Medikamente eingenommen hatten, ist unseren Recherchen nach nicht berichtet worden. Trotzdem sollten man (und das gilt eigentlich für alle Naturheilmittel als allgemeine Vorsichtsmaßnahme) den Extrakt während der ersten drei Schwangerschaftsmonate nicht einnehmen. Grundsätzlich sollte man aus allgemeiner Vorsicht heraus bei der Einnahme von Arzneimitteln immer dem Arzt oder Apotheker mitteilen, ob man Nahrungsergänzungen einnimmt und welche.